O Prague, Where Art Thou?

Prag ist immer eine Reise wert – und das insbesondere, wenn man schon länger nicht mehr dort war. Mein letzter Prag-Aufenthalt dürfte gut 15 Jahre her sein und fand im Rahmen einer Abi-Fahrt statt. Die Erinnerung daran ist mittlerweile stark verblasst – sicher auch erklärbar durch das damals sehr günstige und an jeder Ecke erhältliche köstliche Bier.

Dennoch habe ich schnell festgestellt, dass Prag sich ziemlich gewandelt hat. Und das betrifft vor allem die Tourismusmaschinerie, die – fast wie zu erwarten und wie in jeder anderen Metropole gang und gäbe – wie geschmiert läuft. Prag besteht gefühlt ausschließlich aus Touristen und Menschen, die irgendwie versuchen davon zu profitieren.

Ein paar Beispiele?

Sobald man über die Karlsbrücke geht (was in jedem Fall als Must-Do in Prag gilt) – wohlgemerkt mit beeindruckender Aussicht auf Moldau, Prager Burg und den Laurenziberg – sieht man sich sofort mit einer schier erdrückenden Masse von Menschen konfrontiert. Dazu kommen verschiedene Straßenkünstler, etwa die Maler, Karikaturisten sowie verschiedene Sänger. Das ganze wirkt ziemlich skurril: Wer braucht schon eine Karikatur von sich selbst, wenn man doch viel besser die beeindruckende Aussicht genießen könnte? Also, hier lieber nur einen kurzen Stopp einlegen und sich dann schleunigst der Hektik entziehen.

Menschenmassen schieben sich über die Karlsbrücke

Der Hunger trieb uns relativ schnell in die Innenstadt, wo sich in regelmäßigen Abständen Trdelník-Bäckereien aneinanderreihen. Trdelník ist ein süßes Gebäck, das auf Stangen aufgerollt und über einer offenen Feuerstelle gebacken wird. Anschließend kann es noch gefüllt werden – ob mit Schokolade, Früchten oder Eiscrème. Man könnte so schnell den Eindruck gewinnen, man hätte es hier mit einer echten Prager Spezialität zu tun, aber weit gefehlt! Trdelník stammt ursprünglich aus der Slowakei bzw. Ungarn und hat nun in Prag eine neue Heimat gefunden. Echte Tradition sieht wohl anders aus, schmeckt aber trotzdem!

Typisch Prag – oder doch nicht?

Als Bier-Enthusiast freute ich mich besonders, mich nach langen Spaziergängen durch die verschiedensten Biere zu probieren, die Prag zu bieten hat. Gedacht, getan. In feinstem Englisch ordere ich also ein Krusovice (eine der ältesten Brauereien Böhmens), woraufhin der Kellner erklärt: „Sorry. Only green beer today.“ Auf die Frage, was es denn grün mache, folgt die ernüchternde Antwort: „It’s a secret!“ Soso. „Special edition for Easter.“ Hmm. Dass das etwas giftig anmutende Getränk dann auch noch umgerechnet vier Euro kosten sollte, konnte mich jetzt auch nicht mehr an der Bestellung hindern. Letztendlich war der Geschmack zwar gut, aber warum es grün sein musste, haben wir nicht verstanden. Dann doch lieber das kleine Café im Prager Vorort oder ein Bier in einem Lokal in einer Seitenstraße – zwar nicht grün, dafür aber auf jeden Fall nur halb so teuer und ebenso erfrischend.

Ernsthaft?

Diese drei Beispiele sollen verdeutlichen, dass es in Prag wirklich schwierig ist, sich dem Touristenstrom zu entziehen und zumindest an der einen oder anderen Stelle das echte und ursprüngliche Prag zu erleben. Und dennoch, sobald man von den ausgetretenen Touri-Pfaden abweicht, mal in eine kleine Nebengasse abbiegt, einen der Vororte besucht, oder einfach nur den Blick vom Souvenirgeschäft nach oben auf eine der wunderschönen Häuserfassaden richtet, so erkennt man schnell die Einzigartigkeit dieser Stadt!

Anmerkung: Dass Touristen-„Problem“ schafft es übrigens auch immer wieder bis in die Prager Lokalpolitik, wie dieser Artikel der Zeit belegt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.