London für Einsteiger: Ein Spaziergang durch die britische Metropole

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In den nächsten Tagen geht es für mich mal wieder auf Studienfahrt nach London. Mit einer kleinen Gruppe von Erwachsenen fliege ich in die britische Metropole, viele von ihnen sind London-Neulinge. Daher steht für mich am ersten Tag immer ein Spaziergang auf dem Programm, mit dem ich meinen Studierenden einen ersten Eindruck von London vermitteln möchte. Dabei gibt es natürlich direkt das eine oder andere touristische Highlight zu sehen.

Das Schöne an der Tour ist, das man sie jederzeit unterbrechen oder verlängern kann, je nachdem wieviel man von London schon gesehen hat bzw. wie gut zu Fuß man ist. Hier zunächst mal ein Überblick über die Route, die insgesamt etwa sechs Kilometer umfasst und im Schnitt vier Stunden dauert, was natürlich abhängig von Pausen, Besichtigungen usw. ist.

Los geht’s: Multikulti und Gentrifizierung in Londons Osten

Los geht es traditionell an unserer Unterkunft in der Nähe der berühmten Brick Lane.  Diese ist eine der bekanntesten Straßen im Osten Londons, dem sogenannten East End. Die Straße selbst und die umliegende Gegend ist vor allem berühmt als Zentrum für Immigration, vor allem aus Ländern wie Bangladesch oder Pakistan. Früher galt das Viertel als Slum, heute findet man dort trendige Boutiquen, Kunstgallerien und Pop-Up Stores. Besonders gut verdeutlicht wird der stetige Wandel durch die Brick-Lane-Moschee, die einst Kirche, dann Synagoge und nun als religiöser Mittelpunkt der muslimischen Gemeinde genutzt wird.

Brick Lane am Morgen

Trotz des fortschreitenden Strukturwandels hat die Gegend ihr multikulturelles Flair keineswegs eingebüßt. Weiterhin findet man hier Restaurants, Geschäfte und vor allem Menschen aus allen Teilen der Welt.  Direkt nebenan liegt die alte Truman Brewery, die zu einem Ausstellungsort und Arbeitsplatz für junge Kunstschaffende und Kreative umfunktioniert wurde. Die Brauerei selbst gibt es wieder, allerdings wird an anderen Standorten gebraut. In einigen Londoner Pubs kann man das Truman-Bier probieren – einfach mal nachfragen.

Spitalfield: Das Tor zur City of London

Vorbei an kleinen Reihenhäusern aus den 1950er Jahren und durch enge Straßen geht es weiter zum Spitalfield Market. Die historische Frontfassade aus dem 19. Jahrhundert ist noch erhalten, dahinter verbirgt sich jedoch ein moderner Marktkomplex, der vor allem am Wochenende verschiedene Stände beherbergt, die so ziemlich alles verkaufen: von Second-Hand-Kleidung über antike Erinnerungsstücke bis hin zu Schmuck und Möbeln. Direkt an die Markthalle grenzt ein spektakulärer Gebäudekomplex des Architekten Norman Foster, inklusive einer Promenade und einem großen Platz, dem Bishops Square.

Krimskrams und Trödel: Der Spitalfield Market

Verlässt man den Spitalfield Market nach Westen, zeigt sich London plötzlich von einer völlig anderen Seite. Moderne Hochhäuser des Finanzdistrikts (die sogenannte City of London) prägen das Stadtbild. Diesen Teil der Stadt kann man getrost meiden, vor allem am Wochenende ist er wie ausgestorben. Londoner wohnen hier nicht, sondern kommen allenfalls zum Arbeiten her. Die City of London hat trotz beachtlicher Fläche nur 8.000 Einwohner. Mittendrin liegt aber der Bahnhof Liverpool Street, einer der großen Verkehrsknotenpunkte der Stadt und durchaus einen Abstecher wert: Die Haupteingangshalle ist lichtdurchflutet und beeindruckt durch schiere Größe. Ansonsten ist es hier vor allem hektisch und laut, dafür fährt man mit der Circle Line schnell und problemlos in andere Teile der Stadt.

Blick aus der überdachten Markthalle auf die City of London

Architektonische Highlights: 30 St Mary Axe und Leadenhall Building

Vom Bahnhof Liverpool Street läuft man wenige Minuten bis zum Wolkenkratzer 30 St Mary Axe, der umgangssprachlich auch The Gherkin (die Gurke) genannt wird. In dem 2004 fertiggestellten, ovalförmigen Glasbau befinden sich verschiedene Büros, vor allem die des Schweizer Versicherungskonzerns Swiss Re, der das Gebäude auch in Auftrag gab.

The Gherkin

Wenige Meter weiter steht ein weiteres Architektur-Prunkstück, das allerdings wesentlich umstrittener ist: Der Sitz der Versicherungsbörse Lloyd’s ist ein Entwurf des Architekten Richard Rogers, der schon das Centre Pompidou in Paris mitgestaltete und der mit dem Lloyds-Building das gleiche Prinzip verfolgt. Alle Versorgungsleitungen, Treppen und Lifte befinden sich an der Außenfassade. Das sieht nicht nur merkwürdig aus, sondern macht das Gebäude äußerst spannend. Direkt auf der anderen Straßenseite steht seit 2013 das imposante Leadenhall Building, das von den Lodonern liebevoll als „Käsereibe“ (cheesegrater) bezeichnet wird.

Wer skurrile Geschichten mag, dem sei das nahegelgene Hochhaus 20 Fenchurch Street (auch bekannt als The Walkie-Talkie) ans Herz gelegt: Kurz nach Fertigstellung des Gebäudes stellte man fest, dass die konkave Form der Außenfassade das Sonnenlicht an heißen Tagen fokussiert und so dafür sorgt, dass Reifen von an der Straße parkenden Autos schmelzen oder man mittags sein Spiegelei auf dem Bürgersteig braten kann. Mittlerweile ist das Problem jedoch durch den Einsatz nicht-reflektierender Folien auf der Glasfassade behoben.

Zwischen Tradition und Moderne

Für mich ist das Spannendste an London der stetige Wechsel zwischen Moderne und Tradition. Immer wieder findet man neben monumentalen Glasbauten plötzlich kleine historische Schätze. Biegt man etwa kurz hinter dem Leadenhall Building links ab, entdeckt man – ziemlich versteckt – in einer Seitenstraße den Leadenhall Market. Dabei handelt es sich um eine prunkvolle viktorianische Markthalle, in der es heute verschiedene Bars, Restaurants und Feinkostgeschäfte gibt. Der historische Charme wurde allerdings konsequent erhalten. Zu internationaler Bekanntheit kam die Halle im Jahr 2001, als hier Szenen für den ersten Film aus der „Harry Potter“-Filmreihe gedreht wurden.

Leadenhall Market

Ein bisschen weiter südlich liegt der nächste Stopp unserer Tour: das Monument. Die 61 Meter hohe Steinsäule erinnert an das große Feuer von London im Jahr 1666. Die Höhe markiert die exakte Strecke zwischen dem Standort des Monument und einer Bäckerei in der Pudding Lane, in der das Feuer seinen Ursprung hatte. Man kann das Bauwerk von innen besteigen, der Eintritt ist günstig, der Ausblick auf die City of London spektakulär. Ein kleiner Bonus: Wenn man wieder unten angekommen ist, erhält jeder Besucher eine personalisierte Urkunde, die bezeugt, dass man die 311 Stufen erfolgreich erklommen hat.

Ein paar Touristen-Klassiker

Nach einer kleinen Pause in einem der umliegenden Pubs geht es weiter zur Themse. Am Ufer entlang läuft man direkt auf den Tower und die Tower Bridge zu, zwei der wohl bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Der Tower selbst ist touristisch sehr überlaufen, zudem mit mehr als 25 Pfund Eintritt ziemlich teuer. Wer historisch interessiert ist und sicher gerne auf einem Förderband an den Kronjuwelen vorbeifahren lassen möchte, sollte sich einen Besuch aber nicht entgehen lassen. Zu Fuß über die Tower Bridge zu laufen, gehört selbstverständlich auch zum Pflichtprogramm.

Spaziergang an der Themse

Auf der anderen Seite der Themse

Wer glaubt, auf der Südseite der Themse sei nichts los, der irrt. Der Stadtbezirk Southwark beginnt hier. Dieser zeichnete sich in der Vergangenheit vor allem durch zwielichtiges Gewerbe aus, heutzutage gehört er eindeutig zu den Trend-Vierteln der Stadt. Das hat vor allem mit dem großen Kulturangebot zu tun, aber dazu gleich mehr. Zunächst machen wir einen kleinen Abstecher zum Shard, dem höchsten Wolkenkratzer Londons. In der 310 Meter hohen „Glasscherbe“ befinden sich Büroräume, ein Hotel und verschiedene Luxuswohnungen. Ganz oben gibt es eine Aussichtsplattform, die man für etwa 30 Pfund (im Vorverkauf günstiger) besuchen kann.

The Shard

Zum Mittagessen geht es anschließend weiter auf den Borough Market, der mit verschiedenen Essensangeboten und einer breiten Auswahl an frischem Obst, Gemüse und anderen Nahrungsmitteln die Besucher anlockt. Die Atmosphäre dort ist wirklich klasse, vor allem am Wochenende: Teils unter freiem Himmel, teils unter eine Bahntrasse gelegen, erstreckt sich der Markt über verschiedene verwinkelte Markthallen. Man kann dort leicht mehrere Stunden verbringen. Zum Essen sucht man sich dann am Besten einen Platz im Schatten der Southwark Cathedral oder direkt an der Themse.

 

Schlemmen auf dem Borough Market

Weiter entlang der Themse

Folgt man der Themse weiter nach Westen, hat man nicht nur einen tollen Blick auf die City of London und ihre mittlerweile zahlreichen Hochhäuser, sondern man bekommt auch ein reichhaltiges kulturelles Angebot. Auf dem Weg in Richtung Millenium Bridge, befinden sich Shakespeare’s Globe Theatre, in dem heute noch Shakespeare-Stücke unter Original-Bedingungen aufgeführt werden, und das Tate Modern, ein Museum für moderne Kunst. Hier ist der Eintritt kostenlos und man kann stundenlang über mehrere Etagen Kunstwerke aus dem 20. und 21. Jahrhundert bestaunen. Im letzten Jahr wurde ein neuer Anbau an das in einem alten Ölkraftwerk gelegene Museum eröffnet.

Blick vom Museumscafé im Tate Modern
Tate Modern: Museum in einem alten Ölkraftwerk

Wenn man schonmal hier ist, lohnt sich eine Pause im Museumscafé in der 6. Etage, von dem aus man einen Panorama-Blick auf Themse, Millenium Bridge und St Paul’s Cathedral auf der anderen Seite des Flusses genießen kann. Dazu gibt es hier Kaffee zu humanen Preisen – für ein Museum in London eher ungewöhnlich – oder ein kühles Pint.

Und wie geht’s weiter?

Hier endet unser Spaziergang. Von der Millenium Bridge aus kann man nun leicht die Stadt weiter erkunden. Entweder geht man zu Fuß weiter die Themse entlang und kommt so bis zum Buckingham Palace, Big Ben und Westminster Abbey (auf dem Weg liegen noch National Theatre und das Riesenrad London Eye) oder man entscheidet sich für die weniger sportliche Variante: Mit der U-Bahn (oder besser mit dem Bus) fährt man ab St Paul’s weiter, zum Beispiel zum Piccadilly Circus, zum Hyde Park oder zum Shoppen auf die Oxford Street.

Wer wissen möchte, was mir eigentlich ansonsten an London so gut gefällt und warum ich jedes Jahr wiederkomme, dem empfehle ich meinen ersten Beitrag über London.

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