Über den Dächern von London – Open-Air-Kino in Peckham

Wenn man öfter in London ist und große Teile der Stadt schon erkundet hat, gilt es irgendwann, sich neue Ziele zu suchen. Das Schöne an der Metropole ist, dass sie immer wieder kleine versteckte Highlights bietet, die auch einen London-Kenner noch begeistern können. So auch dieses Jahr: Der Besuch eines Open-Air-Kinos über den Dächern des Vorortbezirks Peckham stand auf dem Programm – und sollte nicht enttäuschen.

Klar, spektakuläre Ausblicke gibt es in London reichlich, teilweise kostenlos, teilweise günstig, viele aber auch einfach unfassbar teuer und letztlich irgendwie enttäuschend (so etwa die Aussichtsplattform des Shard). Aber das doch sehr unscheinbare Bussey Building im Vorort Peckham liefert eine ganz besondere Atmosphäre. Zu den Zutaten gehören neben einem fantastischen Blick auf London: Ein guter Film, ein Sonnenuntergang, bestes Wetter, ein (oder mehrere) Kaltgetränk(e) und natürlich eine charmante Begleitung.

Kino auf den Bussey Building

Der Rooftop Cinema Club

Gesehen hatte ich das große Angebot von Open Air Kino-Veranstaltungen in London schon des öfteren, aber irgendwie habe ich es nie geschafft, mich um Karten zu kümmern. Dazu kommt, dass die Vorführungen äußerst beliebt und daher regelmäßig ausverkauft sind. Dieses Jahr jedoch habe ich frühzeitig daran gedacht und mich für den Newsletter des Rooftop Cinema Club angemeldet, einem Anbieter, der sich darauf spezialisiert hat, auf verschiedenen Gebäuden in London und Umgebung Filme zu präsentieren – with a view versteht sich.

Pünktlich zur Veröffentlichung des Programms, das im Mai beginnt und im August endet, bestellte ich also zwei Karten. Der Veranstalter offeriert verschiedene Pakete, ich entschied mich für das Love Birds-Paket: ein übergroßer Liegestuhl für zwei Personen, Popcorn-Flatrate und ein Getränk pro Person – etwas kitschig, aber was soll’s? Beim Tag bin ich nicht wirklich flexibel, also habe ich beim Film die Wahl zwischen „La La Land“ und „Zootropolis“. Die Entscheidung ist schnell gefallen: „La La Land“ it is.

Auf ein Bierchen in Frank’s Café

Auf ein Bierchen ins Parkhaus

Los geht der Abend ein paar Tage später jedoch erstmal ganz woanders: Dem Tipp einer Bekannten sei Dank fahren wir per Uber (übrigens sehr empfehlenswert, wenn man irgendwann keine Lust mehr hat auf U-Bahn und Bus bzw. wirklich weite Strecken schnell zurücklegen will) zu Frank’s Café, direkt gegenüber vom Bussey Building. Frank’s Café liegt auf einem alten, in die Tage gekommenen Parkhaus, das offenbar als solches kaum noch benutzt wird. Nach oben läuft man durch ein knallpinkes Treppenhaus und auf der sechsen Etage offenbart sich dann ein wirklich sagenhafter Blick auf London’s Skyline.

Die Atmosphäre ist ziemlich rustikal, an ein Café erinnert allenfalls die Tatsache, dass man hier Getränke konsumieren kann – Kaffee gibt es jedoch nicht, dafür Pimm’s, Bier und ein paar einfache Cocktails. Das internationale Publikum ist hip und jung und sitzt auf spartanischen Holzbänken, auf dem Boden oder einfach auf ein paar Skulpturen, die das Dach zieren. Die Preise sind zudem moderat – aktuell noch ein echter Insider-Tipp!

 Kino in einer alten Cricket-Schläger-Fabrik

Wir bleiben nicht lange, schließlich haben wir ja noch ein Date mit Ryan Gosling und Emma Stone. Das Bussey Building ist schnell zu Fuß erreicht: Es handelt sich dabei um einen alten Industriepark, in dem früher Cricket-Schläger produziert wurden und der in den letzten Jahren in ein Zentrum für Künstler und Kreativschaffende umfunktioniert worden ist. Passt super in den Multikulti-Stadtteil Peckham!

Blick vom Bussey Building

Das Dach „erklimmt“ man bequem per Fahrstuhl. Dort bekommen wir Bluetooth-Kopfhörer ausgehändigt und erhalten Wertmarken für zwei Getränke und Armbänder für unser Gratis-Popcorn. Das Angebot nehmen wir jedoch nicht in Anspruch, das kulinarische Angebot Peckhams war vorher einfach zu überzeugend. Kurz nachdem wir es uns in unserem Liegestuhl bequem gemacht haben, geht der Film auch schon los.

Ein bisschen komisch ist es zwar, mit Kopfhörern auf einem Fabrikdach einen Film zu sehen, aber der dazugehörige Ausblick und der goldgelbe Sonnenuntergang sind einfach großartig. Dabei wird mir bewusst, wie abhängig eine solche Veranstaltung vom Wetter ist. Der Abend wird schnell etwas kalt (immerhin ist es erst Mai), aber die Veranstalter versorgen die Gäste mit Decken – klasse! Zu allem passt der Film natürlich perfekt. Man kann über „La La Land“ geteilter Meinung sein, aber es geht hier weniger um den Film, als um das Erlebnis an sich.

Sonnenuntergang, Shard im Hintergrund

Insgesamt kann ich jedem nur empfehlen, sich mal Karten fürs Rooftop Cinema in London zu organisieren, gerade wenn man von Tower Bridge, Buckingham Palace & Co. genug hat und auch mal einen Stadtteil außerhalb der City sehen will. Der lohnt übrigens auch ohne Dachkino!

Für mehr London-Tipps, lest meine anderen Artikel hier und hier.

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