Einfach mal raus: Kurze Wandertour am Rhein

Wenn sich die Ferien langsam aber sicher dem bitteren Ende nähern, kommt es vor allem darauf an, nicht die Nerven zu verlieren und panisch Lehrwerke, Lehrerhandreichungen und Klausurvorschläge zu wälzen. Statt dessen sollte man lieber noch ein paar Tage der Heimat den Rücken kehren, der Alltagsstress kommt schließlich noch früh genug.

In guter Tradition geht das bei uns frei nach dem Motto „Warum in die Ferne schweifen?“ und ich erinnerte mich an entspannte Tage in der Pfalz, die allerdings schon eine ganze Weile zurücklagen. Nach kurzer Internetrecherche ist ein Hotel in Bingen am Rhein gebucht – in der Hoffnung auf rheinisch-mediterranes Klima, pittoreske Wanderwege und – natürlich – Wein!

Lokale Weinspezialitäten in Bingen

Bingen, Niederwalddenkmal und zurück

Bingen am Rhein, die Basis für unsere Erkundungstour, ist einfach auf’s Geratewohl gewählt. Hier ist trotz der kleinen, netten Altstadt und einiger Sehenswürdigkeiten (wie der Burg Klopp oder dem alten Zollamt) nicht allzu viel los. Der Ort wirkt ziemlich verschlafen und scheint weitgehend vom Tourismus verschont geblieben zu sein – einerseits ist das natürlich erfreulich, aber wir sind ja hier, um ein bisschen was zu sehen und aktiv zu sein. Also nichts wie rüber auf die andere Rheinseite!

Mit dem Schiff geht es zunächst nach Assmannshausen, einem 1000-Seelen-Ort, der mit tollen Fachwerkhäusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert punkten kann. Hier findet sich auch die Niederwald-Seilbahn, die einen auf 1000 Metern Strecke 230 Meter hinauf zum Niederwald-Denkmal transportieren soll. Für mich und meine ausgeprägte Höhenangst ist der Gedanke an einen wackeligen Sessellift der blanke Horror, die Fahrt dauert schließlich krampfhafte 15 Minuten. Überlebt habe ich es dennoch und nach weiteren zehn Minuten zu Fuß wird man belohnt mit spektakulären Aussichten über den Rhein und die Stadt Bingen auf der anderen Seite des Flusses.

Blick auf Bingen

Nach knapp drei Kilometern durch den Wald kommen wir am Niederwalddenkmal an, das sicher die Sehenswürdigkeit der Gegend ist und hoch oben über dem Rhein thront. Es erinnert an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und die anschließende Reichsgründung. Wie viele Denkmäler aus dieser Zeit ist es äußerst imposant und beinhaltet verschiedene Elemente. Besonders augenfällig ist die fast 13 Meter hohe Germania, die symbolträchtig das Zentrum des Denkmals bildet und die Reichskrone als Einnerung an den Sieg über Frankreich emporstreckt.

Die Germania an der Spitze des Niederwalddenkmals

Auf der anderen Seite des Denkmals geht es (wieder mit der Seilbahn) zurück ins Tal und wir lassen den Abend in der wunderbaren WeinZeit-Vinothek direkt an der Uferpromenade in Bingen ausklingen. Hier serviert man kleinere Snacks und natürlich wirklich leckeren Wein von verschiedenen Winzern aus der Gegend. Passend dazu gibt es einen romantischen Sonnenuntergang – wir haben schon nach wenigen Stunden das Gefühl im Urlaub zu sein. Und genau darum ging es.

Romantik pur am Rhein

Wandern zwischen Wäldern und Weinbergen

An unserem zweiten Tag schnüren wir die Wanderschuhe und machen uns auf zu einer der vielen Wanderstrecken in der Region. Hier ist die Auswahl schier unendlich. Es fällt wirklich schwer, zwischen den unzähligen sogenannten Traumpfaden zu wählen. Wir entscheiden uns schließlich für den Rheingoldbogen, einem gut 12 Kilometer langen Rundkurs ab Brey (ca. eine Stunde Autofahrt von Bingen entfernt), der uns als relativen Wander-Anfängern angemessen erscheint und viele gute Ausblicke und vor allem Abwechslung bieten soll.

Dass die Ankündigungen auf der Internetseite mehr als zutreffend sind, stellt sich recht schnell heraus. Zunächst geht es durch den Wald, vorbei an alten römischen Wasserleitungen und Hügelgrabfeldern, hinauf Richtung Rheinplateau. Nach knapp sechs Kilometern ist das ehemalige Jesuiten-Kloster Jakobsberg erreicht, von hier aus wandern wir an den Hängen der Weinberge entlang wieder zurück in Richtung Brey. Die Sommersonne scheint hier besonders gnadenlos, aber es bieten sich dem Wanderer die schönsten Blicke auf das Rheintal und die malerischen Dörfer auf der anderen Seite.

Wandern entlang der Weinberge bei Brey
Weinrebe in den Weinbergen

Nach knapp fünf Stunden kommen wir erschöpft aber zufrieden in Brey an. Auf dem Rückweg machen wir noch einen kurzen Stop in St. Goar, von wo aus man die Loreley auf der anderen Rheinseite bewundern kann. Leider spielt hier das Wetter nicht mehr so recht mit, aber man fühlt sich durchaus in die Zeiten der deutschen Romantik (Heinrich Heine, Clemens Brentano und Co.) zurückversetzt.

Abends entdecken wir per Zufall das alljährlich stattfindende Weinfest in Rüdesheim und nutzen die Gelegenheit, uns noch einmal durch die verschiedenen Weine der Gegend zu probieren. Wir bleiben schließlich beim Weingut Carl Erhard hängen – hier schmeckt vor allem der Riesling, der typisch für die Region ist. Was Wein angeht, kann man aber in diesem Teil Deutschlands wohl sowieso sehr wenig falsch machen. Zurück nach Bingen kommt man bis spät abends noch mit der Autofähre, muss sich also keine Gedanken um ein Taxi oder Busfahrpläne machen.

Ein kurzer Abstecher in Koblenz

Am dritten Tag machen wir auf dem Rückweg gen Heimat noch kurz Halt in Koblenz. In der Studentenstadt spazieren wir nach einem Frühstück im veganen Cafe Miljöö zum Deutschen Eck, wo uns ein weiteres Beispiel für Denkmäler der Kaiserzeit erwartet. Dort wacht auf einer künstlich aufgeschütteten Landzunge eine recht wuchtige Statue von Kaiser Wilhelm I über den Rhein. Wie schlendern noch ein wenig durch die Altstadt und finden, dass Koblenz durchaus noch einen ausführlicheren Besuch wert wäre.

Für mich steht am Ende dieser kleinen Reise mal wieder fest, dass es gar nicht unbedingt nötig ist, möglichst weit weg zu fahren. Manchmal genügt ein kurzer Ausflug, um sich noch wenig zu erholen und gleichzeitig eine Menge zu erleben und zu sehen. Die Fahrt an den Rhein wird sicher nicht der letzte Kurztrip gewesen sein!

 

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